berlinhalf 2017. Halbmarathon unter 2 Stunden

Berlin. 02.04.2017. Perfektes Laufwetter mit 13 Grad und Sonne-Wolken-Mix. Mein dritter Halbmarathon.

Nachdem ich die ersten zwei Male die zwei Stundengrenze nur knapp überboten hatte (2012: 2:00:12 und 2015: 2:01:15), hatte ich für diesen Halbmarathon zunächst so trainiert, dass die eins an erster Stelle stehen sollen würde. Irgendwann hab ich dieses Ziel aber hinten angehängt. Es war mir wichtig, diesen Lauf so zu laufen, dass ich mich wohl fühle, ihn genießen kann, in der folgenden Woche nicht durchhänge. Also sahen meine Ziele so aus:

  1. Durchschnittspuls 170 (83% hfmax)
  2. ein gutes Gefühl über den gesamten Lauf
  3. sehen was geht

Der Strausberger Platz. Hier haben wir schon einige Läufer treffen können.

Ich bin in Startblock E gestartet. Angenehmer als im letzten Startblock F. Der ist nicht nur der größte, dort finden sich auch Läufer aller Geschwindigkeiten wieder. Viele, die ihren ersten Halbmarathon laufen, aber diesen mit einer Zeit deutlich unter zwei Stunden abschließen. Also laufen alle irgendwie ein anderes Tempo. Bei den vielen Leuten ist das beim Start ziemlich nervig, weil du entweder überholen musst oder überholt wirst und das sich nicht so leicht gestaltet.

Den Startblock F mussten wir also erstmal hinter uns lassen, was bestimmt zehn Minuten gedauert hat. Da wir aber Zeit hatten und es zwischen den ganzen anderen Läufern schön warm war, na du weißt schon. War nicht schlimm. Und bei 34.000 Läufern geht’s halt nicht immer schnell. Ich liebe ja Läufe in Berlin. Sie sind wirklich gut organisiert und auch wenn du ne halbe Stunde vor den Dixi-Klos stehen kannst, geht alles andere meistens schnell. Bei den WCs versuche ich immer die zu finden, die am weitesten von den Eingängen entfernt sind. Es gibt immer eins, wo in der Schlange dann nur 5 Leute vor mir stehen.

Startblock E. Soooo viele Läufer <3

Also, angekommen in Startblock E mit einer Freundin. Wir haben genau neben einem Ort meiner Kindheit gewartet. In einem der Häuser zu unserer Rechten haben meine Großeltern mal gewohnt. Ich liebe es ja sehr, dass mich mit den Orten, an denen ich vorbei laufe immer irgendwie was verbindet. Mein Mann war bereits in Startblock B gestartet, als wir noch unseren Startblock gesucht haben. Nach einigem Warten konnten dann aber endlich auch wir zur Startlinie gehen und schließlich LOS laufen.

Kilometer 1 – 10

Ich bin die ersten paar hundert Meter viel zu schnell gelaufen, man lässt sich da ja gern mitziehen. Aber ich wusste noch aus einem früheren Lauf, dass das die folgenden Kilometer zum Desaster werden lassen kann. Also, Tempo runter, Uhr auf „Nur-Puls“-Anzeige umschalten und stoisch die 170 anvisieren. Die kommen in einem Wettkampf deutlich schneller als im Training, hab ich das Gefühl. Sofort irgendwie.

Schon die ersten zehn Kilometer waren wie fliegen. Ich konnte den Puls um 172 halten und war trotzdem schnell. Ich hab die Runden-Zeiten nach jeder Meile, die mir die Garmin angezeigt hat, zunächst ungläubig und dann einfach nur happy wahrgenommen: 9:00 min/mi bzw. 5:35 min/km. Schon auf der ersten Hälfte waren die Bands am Straßenrand und die vielen Leute, die zum Teil die Namen auf den Startnummern gelesen und dann gerufen haben („Ja, super, weiter so, Andrea“). Total toll. Ich hatte die ganze Zeit, bis zum Schluss, ein mega-breites Grinsen im Gesicht. Und die Leute und die Musiker haben das immer noch verbreitert. Danke an euch alle!!!

Kilometer 11-17

Ab Kilometer 10 sind die Kilometer dann nur noch so gepurzelt. Und ich wurde schneller. Ich hab mein Pulsziel auf 175 erhöht und das hat sich super angefühlt. Vielleicht auch weil die Leute mehr wurden. Am Kudamm standen aller paar hundert Meter Musiker der verschiedensten Musikrichtungen. HipHoper, Preußen und Trommler neben unheimlich tollen vielen anderen Jazz-Bands und Co. Ich wäre bei jeder am liebsten zum Zuhören stehen geblieben. Aber das ging ja nicht. Also weiter.

Mir war ab dem Schloss Charlottenburg klar, dass ich die 2 Stunden höchstwahrscheinlich unterbieten können werden würde. Zwischenzeitlich hatte ich sogar darüber nachgedacht, die 1:55 mitzunehmen. Aber dafür hätte ich zu viel Gas geben müssen. Also bin ich einfach weiter gelaufen. Und es war so leicht. Ich bin so dankbar, dass ich in den letzten Monaten bzw. eigentlich im letzten Jahr gelernt habe, meinen Körper einzuschätzen. Das ist so unschätzbar toll.

Ich habe jeden Wasserstand mitgenommen. Einmal Tee, einmal dieses Iso-Getränk und zwischendrin drei Carb-Quetschies genommen. Für mich als nocarber hat das einen echten Boost zur Folge gehabt. Auch wenn ich zwischendurch dachte, ich vertrage die nicht. Zum Glück aber doch.

Kilometer 18 – 21

Ab Kilometer 18 taten dann meine Fußsohlen etwas weh. Das kenne ich schon von den langen Läufen. Die müssen sowas auch trainieren und Asphalt hab ich auf meinen Laufstrecken nur wenig. Ich war aber erstaunt, dass die sich so spät gemeldet haben. Und interessanterweise auch nicht lange. Vielleicht auch, weil ich ab diesem Zeitpunkt das Tempo nochmal anziehen konnte. Zum Schluss war der Puls dann viel bei 180 und drüber. Aber nicht so sehr. 182 ist meine Laktatschwelle und die kratze ich bei sowas nur ungern an. Die letzten paar Hundert Meter dann aber natürlich doch.

Ziel

Das Ziel kam diesmal schneller als ich dachte. Ich weiß noch, beim ersten Halbmarathon dort genau an dieser Stelle hatte ich mich verschätzt und zu früh Gas gegeben. Der Zieleinlauf war dann total schleppend und ich wollte nur noch ankommen. Diesmal hätte ich gern einen deutlicheren Endspurt gemacht. Andererseits war ich echt froh, nicht völlig außer Atem im Zielbereich rumzuschleichen. Denn der war echt voll. Aber alle waren total glücklich, es gab direkt Medaillen, Planen zum umhängen, Wasser, Tee, Bananen, Iso-Getränke und natürlich Erdinger alkoholfrei, dass nie so gut schmeckt wie nach einem Stadtlauf.

Und irgendwo am Ende war denn auch Tobi, der schon fast eine Stunde gewartet hatte.

Fazit

Da ist sie!!! Die schönste Medaille, die ich hier je mitgenommen hab. I love Berlin!!!

Dieser Lauf war der beste, den ich je gelaufen bin. Der beste Wettkampf. Trainingsläufe und Wettkämpfe kann ich schwer vergleichen. Eine Freundin, die gerade mit dem Laufen anfängt, meinte vor ein paar Tagen, ihr Lauf hätte sich angefühlt wie Fliegen. Und genauso waren diese 21,0975 Kilometer. Das hätte ich nicht gedacht. Letzte Woche hatte ich noch Angst, ich würde von Kita-Viren gebremst. Freitag und Samstag habe ich mich mit Vitamin C vollgepumpt und einfach gehofft, dass das reicht. Und das hat es. Ich bin nicht krank geworden, das leichte Kribbeln im Hals ist verschwunden und der Lauf war halt einfach mega!!

Das konnte ich echt nicht glauben.

 

Uuu-hund ich habe tatsächlich die 2-Stunden-Grenze unterschritten. 1:56:46. Das ist eine Pace von 5:31 min/km oder 8:50 min/mi. Ich hätte nie geglaubt, dass ich das kann!!! Nie!!! Und eine neue 10k Bestzeit gab es auch: 53:33. Unfassbar. Mein Ziel für den Avonlauf im Mai 55 Minuten zu unterbieten hab ich damit bereits erreicht. Jetzt leuchten die 49:59 in meinem Kopf 🙂

Mal sehen.

Also, kurzer Zielecheck:

  1. Durchschnittspuls 170 (83% hfmax) – hm.. nicht wirklich. Durchschnittspuls waren 175bpm und damit 86% hfmax, aber die haben sich gut angefühlt. Das war auch irgendwie das eigentliche Ziel hinter den 170.
  2. ein gutes Gefühl über den gesamten Lauf – absolut. So hätte ich das nicht erwartet. <3
  3. sehen was geht – Das Ziel dahinter war, entspannt an den Lauf zu gehen. Und das hab ich wirklich geschafft. Darüber bin ich echt froh, weil das Lauferlebnis dadurch ein ganz anderes ist, als wenn du einer Zeit hinterherrennst. Ich hatte keinen Druck, irgendwas zu erreichen. Das war wirklich richtig gut.Natürlich ist das Gefühl, sich verbessert zu haben und besser gelaufen zu sein, als ich das je gedacht hätte, auch enorm. Aber ich laufe diese Läufe nicht für irgendwelche Zeiten, sondern weil sie mich in dieser Zeit, die ich da durch meine Stadt (und sicher auch bald mal durch eine andere) laufe, unheimlich glücklich machen. Das geht für mich nur, wenn ich mich auf jeden Schritt konzentrieren kann. Jeden Moment genießen kann. Ich bin wirklich dankbar, dass meine Vorbereitung da ausreichend war. In den nächsten Tagen gebe ich euch da gern mal einen Einblick.

Nun geht’s aber erstmal ans Regenerieren.

Habt einen schönen Tag!

_Eure Andrea

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