Koffeinfrei.

Vor genau einer Woche habe ich mein letztes koffeinhaltiges Getränk zu mir genommen. Es war ein grüner Tee. Das habe ich schon einmal gemacht. Vor fünf Jahren und dann hat sich der Kaffee Schluck für Schluck wieder in mein Leben geschlichen. Erst sehr langsam. Nach der Abstinenz war die Wirkung erstmal toll. Bei jedem Kaffee spürte ich einen richtigen Push. Ich war energetisiert und fokussierter.

Aber irgendwann war der Kaffee wieder mein täglicher Begleiter. Ich brauchte ihn. Wenn ich müde wurde, trank ich einen Kaffee. Es war immer noch nicht besonders viel. Meist waren es nur halbe Kaffees. Zumindest dachte ich das. Ich habe keine Ahnung, wie viel Koffein ich letztendlich täglich meinem Kreislauf zugeführt habe. Aber es hat gereicht, um starke Entzugserscheinungen hervorzurufen, trotz halbwegs sanftem Entzug.

Kaffee stimuliert stresst nachhaltig.

Aber warum das alles. Kaffee ist doch gut, er stimuliert und es ist schön, sich zum Kaffeetrinken zu treffen. Ja, das stimmt. Aber wisst ihr eigentlich, warum Kaffee stimulierend wirkt? Das ist nämlich so:

Kaffee & Tiger.

Koffein sorgt dafür, dass der Körper Stresshormone produziert. Und zwar Kortisol und Adrenalin. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, ihr schwitzt mehr und die Pupillen weiten sich. Ein ähnlicher Effekt würde vermutlich entstehen, wenn plötzlich ein hungriger Tiger hinter euch stünde. In diesem Fall ist Kaffee dann aber doch die sicherere Wahl.

Ja, das war übertrieben. Aber: Kaffee liefert keine Energie im Sinne einer Energieversorgung. Er versetzt den Körper in einen „Kampf oder Flucht“-Modus. Und dafür wird Energie mobilisiert. Möglicherweise sogar Energie, die uns eigentlich nicht zur Verfügung steht oder stehen sollte, weil sie an anderer Stelle gebraucht wird. Denn nicht selten greifen wir dann zu koffeinhaltigen Getränken, wenn unser Körper eigentlich eine Pause bräuchte. Oft fühlt man sich dann bei Nachlassen der Wirkung erst recht erschöpft.

Kaffee & Gewohnheit.

Das Problem ist nun, dass dieser wirklich stimulierende Effekt nur bei Menschen eintritt, die es nicht gewohnt sind, Kaffee zu trinken. Das kennt ihr sicher auch. Nach einer Erkältung wirkt ein Kaffee viel heftiger. Gewohnheitstrinker werden durch die Koffeinzufuhr zwar auch gepusht, allerdings werden nur die Entzugserscheinungen ausgeglichen. Wir fühlen uns also weniger müde. Aber diese Müdigkeit wäre in den meisten Fällen gar nicht da, wenn wir nicht ein paar Stunden zuvor bereits einen Kaffee getrunken hätten. Wir kommen in gewisser Weise mit jedem Kaffee in Richtung unseres Normalzustandes. Manchmal nicht mal das.

Koffein & Blut.

Koffein hat eine Halbwertszeit von 24 Stunden. Der erste Kaffee am Morgen hat das Blut also erst am nächsten Morgen verlassen. Da die wenigsten von uns nur einen Kaffee trinken, befindet sich aber trotzdem noch eine signifikante Menge Koffein in unserem Blut, wenn wir in der früh die Kaffeemaschine einschalten oder den Barista hinter der Theke vom Coffee Shop bezahlen. Das Absinken des Koffeinspiegels im Blut führt nun dazu, dass wir müde werden.

Und hier wird es interessant. Für die meisten von uns bleibt es, bei längerer Abstinenz nicht bei der Müdigkeit. Bei vielen kommen weitere Symptome dazu wie:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
  • Grippeähnliche Symptome
  • Verschleimte Nebenhöhlen
  • Gliederschmerzen
  • Nierenschmerzen
  • Schwere Müdigkeit
  • Lethargie
  • Depression
  • ein Gefühl der Benommenheit

Das sind die Entzugserscheinungen, die auftreten können, wenn man versehentlich die Dose mit dem koffeinfreien Kaffee pickt. Aber das wird, wie gesagt nur dann zum Problem, wenn ihr den Koffeinspiegel im Blut nicht konstant auf einem gewissen Niveau haltet.

Mit vom Kaffee abhängen.

Für mich lag aber genau hier das Problem. Bringen wir es doch mal auf den Punkt:

Wenn ich etwas immer wieder nachschütten muss, damit ich mich nicht schlecht fühle, dann bin ich davon in gewisser Weise abhängig.

Insbesondere dann, wenn ich mich insgesamt schlechter fühle, als ohne das Mittel dieser Abhängigkeit, macht es für mich keinen Sinn, mich dieser Abhängigkeit weiter hinzugeben. Abgesehen davon, dass Freiheit ein wichtiger Aspekt in meinem Leben ist und die Vorstellung, von einem Getränk, so gut es auch schmecken mag, abhängig zu sein, gefällt mir gar nicht.

Nun hat es eine ganze Weile gedauert, bis mir das klar wurde. Zweimal *hust* Es musste mir tatsächlich ein zweites Mal klar werden. Aber dafür ist das Gefühl dahinter nun deutlich stärker.

Und ohne Kaffee? Geht das?

Je nachdem, wie viel Kaffee ihr so trinkt am Tag, fällt der Ausstieg mehr oder weniger leicht. Es gibt auch Menschen, die überhaupt kein Problem damit haben, auf Kaffee zu verzichten. Bei mir war das nicht so. Eigentlich wollte ich von einem Tag auf den anderen auf Kaffee verzichten. Das hat nicht funktioniert. Ich hab mich schrecklich gefühlt und bin dann doch für zwei Tage auf grünen Tee umgestiegen.

Der eine Kaffee, den ich in dieser Zeit hatte, hat sich schon ganz anders angefühlt. Ich konnte die Stresshormone direkt spüren. Zwar hat mir das Koffein auch geholfen, die anschließende Geburtstagsfeier durchzustehen, aber insgesamt ging es mir an diesem Tag schrecklich. Nach einem weiteren Tag mit zwei Tassen grünen Tee habe ich den Absprung gewagt. Das ist jetzt 10 Tage her und bereits nach wenigen Tagen ging es mir besser als mit Kaffee.

Was tun bei Müdigkeit?

Das hat natürlich viel mit Disziplin zu tun und ich musste wieder lernen auch in traditionellen Kaffeemüdigkeitssituationen auf meinen Körper zu hören. In Situationen, in denen ich sonst zum Kaffee gegriffen hätte, mache ich jetzt kurz die Augen zu, schalte einen Gang zurück oder auch hoch. Manchmal ist es halt nur der absackende Kreislauf, der für Müdigkeit sorgt. Etwas Bewegung wirkt da Wunder.

Positive Auswirkungen nach 9 Tagen ohne Kaffee.

Und es lohnt sich. Ganz ganz ehrlich. Ich hätte das nie gedacht, aber ich fühle mich so viel besser:

Klarheit im Kopf.

Schon jetzt ist mein Kopf irgendwie klarer. Ich habe das Gefühl, ich kann mein ganzes Gehirn nutzen. Das hört sich seltsam an, aber mein Kopf ist freier. Ich arbeite effektiver und werde nicht müde dabei. Es soll tatsächlich auch noch intensiver werden.

Entspannt sein.

In den meisten Situationen, in denen ich noch vor zwei Wochen super gestresst gewesen wäre, kann ich jetzt viel eher Ruhe bewahren. Vielleicht, weil mich wirklich nur die Situation aufregt und nicht noch etwas anderes die Stresshormone heraufbeschwört. Auch wenn ich deshalb nicht immer ruhig bleibe, beruhigt sich mein Körper doch zumindest deutlich schneller.

Energiekonstante.

Als Kaffeetrinkerin bin ich ständig zwischen Kaffeekick, der ja gar keiner mehr war, und Kaffeeentzug geschwankt. Dementsprechend schwankend war auch mein Energielevel. Jetzt habe ich zwar auch noch meine Zeitpunkte, an denen ich müde bin – das ist ja auch völlig normal. Aber insgesamt ist mein Energielevel sehr konstant. Keine Abstürze und irgendwie bin ich auch motivierter, etwas zu tun, Ich hab viel eher das Gefühl, die Energie für all die kleinen und großen Aufgaben zu haben als noch vor zwei Wochen.

Morgenfrische.

Ich bin ein Frühaufsteher. Mein Wecker klingelt um 5:20 Uhr. In den letzten Monaten habe ich immer wieder die Snooze-Taste gedrückt und hab mich wie erschlagen gefühlt, wenn ich dann doch aufgestanden bin. Obwohl ich morgens „nur“ grünen Tee getrunken habe, brauchte ich diesen auch wirklich, um fit und wach zu sein. Jetzt fühle ich mich gut morgens. Noch besser nach der frischen Luft im Garten beim Yoga.

Atemfrische.

Kaffee kann echt miesen Atem machen. Das riecht nicht nur schlecht sondern schmeckt auch furchtbar. Das ist komplett weg und ich könnte auch ohne das nachmittägliche Zähneputzen aus dem Haus. Mach ich aber nicht. 😉

Das gute Gefühl.

Es ist ziemlich schockierend zu sehen, dass ich den Kaffee nicht brauche. Er hat so fest zu meinem Leben gehört. Manchmal kommt noch der Impuls „holen wir uns einen Kaffee“, aber im nächsten Moment bin ich schlicht dankbar dafür, dass es ohne geht, dass es ohne besser ist. Das fühlt sich unheimlich gut an.

Tipps fürs Aufhören.

Hab ich dir Lust auf koffeinfrei gemacht? Dann mach nicht meinen Fehler nach und spring da einfach rein. Cold Turkey funktioniert nur in einer Regenwoche mit jeder Menge Netflix. Vermutlich nicht mal das. Vielleicht helfen dir die folgenden Tipps:

Starte im Urlaub.

Oder zumindest am Wochenende oder wenn du gerade keine schwerwiegenden Aufgaben wie etwa einen Kindergeburtstag zu erledigen hast.

Reduziere langsam.

Das ist natürlich abhängig von deinem Konsum und dir selbst. Versuch einfach jeden Tag weniger zu trinken und beobachte, ob du den nächsten Kaffee wirklich brauchst.

Durchbreche Routinen.

Wie beim Rauchen sind es oft die Routinen, die gegen die Disziplin kämpfen. In solchen Situationen könntest du dich entweder durch verschiedene Teesorten trinken oder auf koffeinfreien Kaffee umsteigen. Vielleicht lohnt es sich aber auch, manche Routinen ganz aufzugeben?

Finde Alternativen.

Damit meine ich nicht Guarana und Co. Das sind keine Alternativen sondern noch stärkere Koffeindosen. Ich meine damit das Fünf-Minuten-Nickerchen in der Mittagspause, den Spaziergang vor oder nach dem Abendessen und das kurze Workout oder die kalte Dusche am Morgen. Du wirst vermutlich bald merken, dass diese Sachen viel effektiver sind als Koffein und dazu noch Abwechslung in deinen Alltag bringen.

Kaffeekasse aufstellen.

Trinkst du auch so gern Coffee-to-Go? Dann wirst du eine Menge Geld sparen. Damit das nicht direkt für etwas anderes drauf geht, könntest du ein Sparschwein auf den Flurschrank stellen, dass täglich jeden nicht für Kaffee ausgegebenen Euro sammelt und dir damit am Monats- oder Jahresende eine Reise oder das Geld für einen Herzenswunsch spendiert.


Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren!

Deine Andrea

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